Das letzte Kapitel des schönsten Buches
"Niemand will sterben, aber einmal ist auch das letzte
Kapitel des schönsten Buches gelesen", sagte Kurt Frankenberger zu
uns, als wir im Sommer 2011 über das Leben und seine Endlichkeit
philosophierten. Seit Sommer 2009 hatte er sein eigenes Ende vor
Augen.
Kurt Frankenberger scheute das Thema Tod nicht. Der Tod kommt
üblicherweise nicht bei einer Eröffnungsrede für einen Kongress
vor, aber anlässlich des 2. Vorarlberger Intensivpflegekongresses
2010 in Dornbirn informierte er die Öffentlichkeit über die Schwere
seiner Erkrankung. Im Jahr zuvor war bei Kurt Frankenberger
Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert worden, eine der
aggressivsten Krebsformen. Dennoch trotzt er dem Krebs, in seiner
üblichen rebellischen Art. Er nahm das Zepter in die Hand und er
entschied alleine über die Sinnhaftigkeit einer Therapie.
Kurt Frankenberger ist gegangen. Kaum einer wünschte Kurt
Frankenberger das letzte Kapitel des schönsten Buches so früh lesen
zu müssen. Nicht die Kollegen im Krankenhaus und von ICP, nicht
seine Vorgesetzten, nicht die Vorarlberger Pflegelandschaft und
schon gar nicht seine Familie und Freunde. Die meisten haben von
Kurt Frankenbergers Innovationsgeist und seinem Engagement
profitiert, haben sich durch ihn inspirieren lassen und sich für
Neuerung und Wandel geöffnet. Am 3. Oktober 2011 ist Kurt
Frankenberger in Feldkirch im Kreise seiner Familie, zuhause,
gestorben. Er war 47 Jahre alt.
Stationen im Leben eines herausragenden Pflegers - Wir erzählen
Ihnen wie er gelebt hat.

Kurt Frankenberger war einer, der mit seinen Ideen die Pflege
veränderte. Einer, der bewegte. Nicht nur Patienten, sondern auch
die Pflege und die Mediziner. Der Patient stand für ihn im Zentrum
seines Denkens und Handels. Sein hoher Qualitätsanspruch an die
Versorgungsleistung durch die Pflegekräfte und Mediziner war
landauf-landab bekannt und teils auch gefürchtet. Er war ein
Querdenker und Networker.
Beruflicher Werdegang
Im Erwachsenenalter war Kurt Frankenberger auf der Suche nach
seiner beruflichen Erfüllung. Er wurde als Radio- und
Fernsehtechniker ausgebildet, arbeitete dann aber in
unterschiedlichen technischen Bereichen, bevor er sich mit 32
Jahren für die Krankenpflege entschied.
1996 begann Kurt Frankenberger mit der Ausbildung zum
Gesundheits- und Krankenpfleger an der Krankenpflegeschule in
Rankweil, die er 1999 erfolgreich abschloss.
Er hat seine Berufung gefunden
Vom Landeskrankenhaus Hohenems wechselte er nach einem halben
Jahr in das Landeskrankenhaus Rankweil auf die Station O1
(neurologische Intensivstation). 2002 schloss er die
Sonderausbildung in der Intensivpflege ab. Im Jahr 2006 beendete er
seine Ausbildung zum Stationsleiter. Im Herbst desselben Jahres
übernahm er dann die Funktion des Stationsleiters für die Station
O1 in Rankweil. Die Aufgabe als Stationsleiter erfüllte er mit viel
Leidenschaft und Engagement bis zu seinem Tod im Oktober 2011.
Krankenstandstage gab es während der Zeit seiner Erkrankung nur
wenige für ihn.
Familienleben
Kurt Frankenberger heiratete im Jänner 1987 seine Edith und im
Anschluss daran bauten sie gemeinsam ein Haus für die geplante
Familie in Feldkirch-Gisingen. 1989 kam ihr Sohn Daniel zur Welt,
den es in der Zwischenzeit auch in die Medizinbranche verschlagen
hat. 1991 gebar Edith den zweiten Sohn Lukas der nach seiner
Zivildienstzeit ein Lehramtsstudium in Innsbruck beginnen wird.
1996, kurz bevor Kurt Frankenberger mit der Krankenpflegeschule
begonnen hatte, erblickte auch Thomas als dritter, wie könnte es
auch anders sein, Sohn das Licht der Welt.
Der Krebs
Im Sommer 2009 erfuhr Kurt Frankenberger das er unheilbar an
Krebs erkrankt war. Er reagierte darauf in der für ihn so typischen
Art mit einer ausgedehnten Motorradtour nach Italien. Während der
Krankheitsphase war Kurt Frankenberger ständig bestrebt die ihm
verbleibende Zeit in hoher Qualität zu verbringen. Mit großer Kraft
und Würde ertrug er die Last der Erkrankung und hat nie
gehadert.
Wir vermissen seine Geradlinigkeit, Authentizität, Klarheit,
Ehrlichkeit, Offenheit und sein Lachen aber auch seine Ecken und
Kanten.
Dein ICP-Team